Mehrere Tausend Menschen haben heute in Berlin gegen hohe Mieten und Verdrängung demonstriert. Die Demonstration unter dem Motto "Gegen den Mietenwahnsinn. Jetzt erst recht!" zog vom Potsdamer Platz in Richtung Schöneberg und endete am Nollendorfplatz. Zahlreiche linke Initiativen hatten zur Teilnahme aufgerufen. Am Ende kamen zwar mehrere Tausend Menschen zusammen, aber nach Einschätzung von Tagesspiegel-Reportern weniger als die angekündigten 10.000.
Bei der Auftaktkundgebung am Potsdamer Platz sprach sich eine Rednerin gegen Symbole politischer Parteien aus. Die Demo solle nicht benutzt werden, um Wahlkampf zu machen. Stein des Anstoßes war eine einzelne Fahne von Bündnis 90 / Die Grünen gewesen. Auch Fahnen von Solid, der Jugendorganisation der Linkspartei, waren zu sehen. Die Rednerin nahm den Streit um die Fahnen zum Anlass, Kritik an der rot-rot-grünen Regierung zu üben. Die würde nicht genug für Mieter:innen tun, sagte sie.
Starke Präsenz zeigte die Initiative “Deutsche Wohnen und Co. enteignen", die einen Volksentscheid über die Vergesellschaftung privater Wohnungsgesellschaften anstrebt. Dessen langfristiges Ziel ist die Enteignung großer Immobilienunternehmen, die mit Wertpapieren entschädigt werden sollen. Die Initiative trat mit einem eigenen Block und zahlreichen Fahnen auf. Aktivist:innen sammelten Unterschriften für den Volksentscheid, sowohl bei Teilnehmenden als auch bei Passanten am Straßenrand.
Die Demo zog über die Potsdamer Straße in Richtung Schöneberg. An der Kreuzung mit der Kurfürstenstraße kam es zu einem kleineren Eklat. An der Ecke hatte sich eine kleine Gruppe von Querdenkern aufgebaut. Sie filmten die Demonstration und riefen Sprechchöre, was einige Demonstrant:innen provozierte. Die Polizei trennte die Gruppen voneinander ab. Daraufhin bezeichneten sich einige der Querdenker als Pressevertreter und beriefen sich auf die Pressefreiheit. Die Polizei hinderte sie dennoch daran, die Demo weiter zu begleiten.
Auf dem Nollendorfplatz fand die Abschlusskundgebung statt. Vertreter:innen verschiedener linker Projekte und Gruppen hielten Redebeiträge. Dabei ging es nicht nur um hohe Mieten. Zwei Jugendliche forderten zum Beispiel den Erhalt alternativer Jugendzentren wie der Potse. Eine Frau rief zum Widerstand gegen die Verlängerung der Autobahn A100 auf. Ein Mann warf dem Signa-Konzern vor, mit dem geplanten Um- und Ausbau des Karstadt-Kaufhauses am Herrmannplatz die Gentrifizierung in Neukölln voranzutreiben. Gegen 16.20 Uhr wurde die Veranstaltung offiziell beendet.