Der ukrainische Rüstungshersteller Ukrajinska Bronetechnika wirft der staatlichen Beschaffungsagentur Verzögerungen bei der Bestellung von 155-Millimeter-Artilleriemunition vor. Bislang sei kein einziger Vertrag über die Lieferung weitreichender Munition abgeschlossen worden, obwohl die Beschaffung bereits zu Jahresbeginn geplant gewesen sei.
Ohne staatliche Aufträge könne die Produktion nicht starten, erklärte das Unternehmen. Damit gelange auch keine zusätzliche Munition an die Front. Die Beschaffungsagentur teilte mit, das Verfahren laufe noch, bestätigte aber keine abgeschlossenen Verträge.
Der Streit trifft die ukrainische Armee in einer angespannten Lage. Soldaten berichten von stark eingeschränktem Artillerieeinsatz. Laut Generalstab geht rund 40 Prozent der Gefechtswirkung gegen russische Kräfte auf Artillerie zurück. Ohne schnelle Vertragsabschlüsse könnte der Munitionsmangel im Sommer spürbarer werden. (Yulia Valova)
Kreml-Chef Wladimir Putin hat der Ukraine eine Feuerpause während der Feierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai angeboten. Wie der Kreml-Berater Juri Uschakow am Mittwoch in Moskau sagte, erklärte Putin sich in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump bereit, „für die Dauer der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges eine Waffenruhe anzuordnen“. Trump habe den Vorschlag „aktiv unterstützt“ und darauf hingewiesen, „dass dieser Feiertag unseren gemeinsamen Sieg markiert“.
Am 9. Mai wird in Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken an den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnert. In Westeuropa und seit 2023 auch in der Ukraine findet das Gedenken bereits am 8. Mai statt. (AFP)
Als Reaktion auf die Ausweisung eines britischen Diplomaten aus Russland verweist Großbritannien nun einen russischen Diplomaten des Landes. „Wir verurteilen die ungerechtfertigte Entscheidung Russlands vom vergangenen Monat, einen weiteren britischen Diplomaten auszuweisen, sowie die darauffolgende böswillige öffentliche Verleumdungskampagne aufs Schärfste“, hieß es in einer Erklärung des britischen Außenministeriums am Mittwoch. Das Verhalten Russlands sei „völlig inakzeptabel“.
„Wir haben deshalb den russischen Botschafter einbestellt, um ihm mitzuteilen, dass wir Gegenmaßnahmen ergreifen und die Akkreditierung eines russischen Diplomaten widerrufen“, hieß es aus dem Ministerium weiter. Wann genau der Botschafter Andrei Kelin einbestellt wurde, wurde nicht mitgeteilt.
Moskau und London haben in den vergangenen Jahrzehnten wegen gegenseitiger Spionagevorwürfe mehrfach Botschaftspersonal der jeweils anderen Seite ausgewiesen. Auf eine Ausweisung einer Seite folgte in der Regel eine Gegenreaktion. Seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 haben sich die bereits angespannten Beziehungen weiter verschlechtert. (AFP)
Die USA beteiligen sich mit 100 Millionen Dollar an der Reparatur der beschädigten Schutzhülle um die Atomruine Tschernobyl. Die Finanzierung der Instandsetzung sei kürzlich auf einer Konferenz mit internationalen Partnern besprochen worden, teilte der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Kosten dürften sich insgesamt auf schätzungsweise 500 Millionen Euro belaufen.
Eine Drohne hatte die Stahl- und Betonkonstruktion über dem zerstörten Reaktor im Februar vergangenen Jahres getroffen. Die Regierung in Kiew machte Russland verantwortlich, was in Moskau zurückgewiesen wurde. Bei dem Angriff wurde nach ukrainischen Angaben die hermetische Abdichtung der Hülle beschädigt. Zwar sei keine Strahlung ausgetreten, die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte jedoch nach einer Inspektion, dass die Konstruktion ihre wesentlichen Sicherheitsfunktionen nicht mehr vollständig erfüllen könne.
Die 2019 fertiggestellte Schutzhülle soll den Austritt von Radioaktivität aus dem Reaktorblock vier verhindern, in dem sich am 26. April 1986 die bislang schwerste zivile Atomkatastrophe der Geschichte ereignete. Seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 ist das Gelände mehrfach von Kampfhandlungen betroffen gewesen. Unter anderem besetzten russische Truppen das Gebiet kurzzeitig. Wiederholt wurde die Stromversorgung der Anlage gekappt. (Reuters)
Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen und Europa mit den Konsequenzen gedroht. Die Ukraine beschieße das Atomkraftwerk Saporischschja, und Selenskyj fordere neben dem Nato-Status auch noch Atomwaffen für seine Sicherheit, sagte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. „Er provoziert mit solchen Äußerungen weiterhin einen atomaren Konflikt.“ Westeuropa laufe Gefahr, erstes Opfer der Folgen dieser „atomaren Erpressung“ zu werden, sagte sie.
Die Europäer müssten den ukrainischen Staatschef aufhalten, statt weiter die Kriegsanstrengungen Kiews zu finanzieren, forderte Sacharowa. „Selenskyj will keinen Frieden, das ist offensichtlich“, sagte sie. Selenskyj hatte zuletzt mehrfach Russland zu neuen Verhandlungen über einen Waffenstillstand und einen anschließenden Frieden aufgerufen. Der Kreml lehnt eine Feuerpause ohne Vorbedingungen wie die Übergabe weiterer ukrainischer Territorien ab.
Moskau: Merz' Äußerungen sind bedeutungslosSacharowa nahm auch zu Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz Stellung, wonach die Ukraine für einen Frieden womöglich Gebiete an Russland abtreten müsse. Weder Deutschland noch die EU seien am Verhandlungsprozess beteiligt. „Alle Äußerungen ihrer Führung zu dem Thema sind für uns bedeutungslos“, so Sacharowa. Es mache keinen Sinn, auf Aussagen europäischer Politiker zu reagieren, solange der Kontinent weiterhin die Ukraine finanziere. (dpa)
Der Diplomat Boris Ruge soll einem Medienbericht zufolge neuer deutscher Botschafter in der Ukraine werden. Wie das Magazin „Spiegel“ berichtete, sollte die Personalie bei der Kabinettssitzung am Mittwoch bestätigt werden, was als Formsache galt. Der 64-Jährige ist demnach derzeit Beigeordneter Generalsekretär der Nato für Politische Angelegenheiten und Sicherheitspolitik. In dieser Funktion im internationalen Stab der Allianz sei Ruge auch für Partnerschaften mit Ländern wie der Ukraine verantwortlich.
Zudem zählen die mögliche Erweiterung des Bündnisses, die Nato-Russlandpolitik sowie Rüstungskontrolle und Abrüstung zu seinen Tätigkeitsbereichen. Davor war Ruge laut „Spiegel“ unter anderem stellvertretender Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Gesandter an der Botschaft in Washington sowie Botschafter in Riad. Derzeit ist Heiko Thoms Deutschlands Botschafter in der Ukraine. Er hat das Amt seit 2025 inne.
Ruge ist dem Bericht zufolge in seiner Funktion bei der Nato im internationalen Stab der Allianz verantwortlich für politische Angelegenheiten, einschließlich Partnerschaften mit Ländern wie der Ukraine, die mögliche Erweiterung des Bündnisses, die Russlandpolitik sowie Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. Ruge war demnach 1989 in den Auswärtigen Dienst eingetreten. Während des Kosovo-Einsatzes habe er im Nato-Hauptquartier gearbeitet und sei Berater zweier aufeinanderfolgender Kommandeure der Nato-Truppen im Kosovo gewesen. (AFP)